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...nicht ganz ernst zu nehmen... Brio und Luca
...aber sie hatten viel Spaß!

Was ist Snoezelen?

Über den wesentlichen Kern des Snoezelen gibt es unterschiedliche Beschreibungsansätze. Ursprünglich war das Snoezelen als eine Freizeit- und Erlebnismöglichkeit für schwerstbehinderte Menschen gedacht. Ihnen sollten Reize für möglichst viele Sinne geboten werden, sozusagen als "Ersatz" für behinderungsbedingte Einschränkungen bei fast allen Freizeitaktivitäten. Im Laufe der letzten Jahre ist es dabei aber nicht geblieben. Das Snoezelen hat sich sehr schnell weiterentwickelt, so dass es inzwischen in nahezu allen Bereichen sozialer Arbeit Einzug gehalten hat.

Ad Verheuls Definition beschreibt anschaulich die ursprünglichen Absichten und Ziele des Snoezelen:
"Snoezelen ist ein Freizeitangebot für Schwerstbehinderte, bei dem sie ruhig werden und zu sich selbst finden können. Dazu ist eine Situation nötig, in der im Gegensatz zum Alltag die Sinne nicht komplex angesprochen werden, sondern in der man sich auf einzelne Sinneswahrnehmungen, z.B. das Tasten konzentrieren kann. Die Sinne sollen also nicht in der Breite, sondern in der Tiefe angesprochen werden. Um dieses zu ermöglichen, versucht man Reize selektiv anzubieten und gleichzeitig unnötige Reize zu reduzieren. Das Reizangebot soll so ausgelegt sein, dass es dem Behinderten angenehme, lustvolle Sinneswahrnehmungen ermöglicht sowie ganz besondere Erfahrungen, bietet, die er im Alltag nicht machen kann. Er soll sich dabei wohl und sicher fühlen".
Diese Beschreibung unterstreicht die Bedeutung des Snoezelens im Sinne eines freizeit- und erlebnispädagogisch orientierten Mediums.

Eine weitere Definition findet sich aud der Internetseite der "International Snoezelen Association" (ISNA), die aus der Feder von Frau Prof. Krista Mertens stammt:
"Hinter dem Snoezelen steht ein multifunktionales Konzept: In einem besonders ansprechend gestalteten Raum (vorwiegend weißer Raum) werden über Licht-, Klang- und Tonelemente, Aromen und Musik Sinnesempfindungen ausgelöst. Diese wirken auf die verschiedensten Wahrnehmungsbereiche entspannend, aber auch aktivierend. Das gezielt ausgesuchte Angebot steuert und ordnet die Reize, es weckt Interesse, es ruft Erinnerungen hervor und lenkt Beziehungen. Snoezelen erzeugt Wohlbefinden. In der ruhigen Atmosphäre werden den Menschen Ängste genommen, sie fühlen sich geborgen. Snoezelen ist Therapie und Förderung zugleich und wird in allen Entwicklungsstufen (Kleinkind bis betagte Menschen) eingesetzt". (Mertens in: Brockhaus Enzyklopädie. Bd. 25, 200621, 429).

Bei kritischer Betrachtung der genannten Definitionen wird man allerdings zu dem Schluss kommen, dass es sich dabei weniger um Definitionen, als vielmehr um Beschreibungen und Vermischungen von Prinzipien, Inhalten und Zielen handelt. Als reine Definition des Snoezelen sind sie zu weitläufig formuliert und damit teilweise missverständlich.

Was ist denn nun eigentlich Snoezelen?

Snoezelen ist zunächst einmal nichts anderes als eine Form der Tiefenentspannung, allerdings unter besonderen äußeren Bedingungen. Der Entspannungszustand hat dabei entweder seinen Wert in sich selbst oder eröffnet mit Hilfe verschiedener Anwendungen und Techniken eine große Vielfalt von Einflussmöglichkeiten auf Körper, Geist und Seele. Wenn man dieser Grundidee folgt, lautet die einfachste Definition des Snoezelen so:

"Snoezelen ist eine Verknüpfung von sensorischen Anregungen mit unterschiedlichen Formen von Tiefenentspannung in speziell gestalteten Räumlichkeiten, in denen die Reizquellen beliebig und gezielt steuerbar sind."

Snoezelen ist also weder eine rezeptive Anwendung mit präzise vorausberechenbaren Ergebnissen noch eine spezielle therapeutische Methode, sondern zunächst nur Entspannungsgrundlage. Alle weiteren Schritte, Methoden und Anwendungen bauen auf dieser Grundlage auf. Snoezelen muss auch nicht grundsätzlich in besonderen, in sich geschlossenen Raumkonzepten angeboten werden. Es gibt inzwischen eine ganze Reihe von "teilstationären" (Raumecken, Raumnischen) und "mobilen" Snoezelangeboten (Wahrnehmungsmobil, Snoezelwagen), die sich in der praktischen Arbeit bereits gut bewährt haben.
Die effektivsten Ergebnisse werden jedoch zweifellos in den speziell konzipierten Snoezelräumen erzielt. Diese Räume sind als eine Umgebung zu verstehen, welche vielfältig gestalt- und veränderbar ist und bei allen Menschen, ob behindert oder nicht behindert, äußerst wirkungsvoll eingesetzt werden kann.

Das Wort "Snoezelen" ist ein Kunstwort, das von zwei Zivildienstleistenden in der niederländischen Behinderteneinrichtung "Haarendael" erfunden wurde. Es setzt sich aus den Wörtern "snuffelen" (schnüffeln, schnuppern) und "doezelen" (dösen, schlummern) zusammen und hat Ähnlichkeit mit dem englischen Wort "to snooze" (ein Nickerchen machen, die Zeit vertrödeln). Das Wort wird "snuselen" ausgesprochen, mit einem gedehnten "u". Vor rund 20 Jahren wurde das Snoezelen in Holland entwickelt. Die ersten Versuche wurden in drei Behinderteneinrichtungen gemacht, wobei damals ausschließlich der Gedanke einer Freizeitaktivität vorherrschte. Ad Verheul, ein Mitarbeiter der Einrichtung "De Hartenberg", bündelte die vorhandenen Erfahrungen, fügte eine Unmenge eigener Erfahrungen hinzu und publizierte sie. Dadurch, dass er sich systematisch mit dieser neuen Aktivität beschäftigte und wesentlich für ihre Weiterentwicklung und Verbreitung sorgte, gilt er zu Recht als "Vater des Snoezelen".

Durch eben diese Publikationen schwappte in den folgenden Jahren die Welle der Begeisterung nach Deutschland und in weitere europäische Nachbarländer. Es entstanden in vielen Behinderteneinrichtungen Snoezelräume, zumeist Weißräume (die auch heute noch die größte Popularität und Verbreitung haben).

In Deutschland begann man sehr früh die Möglichkeiten zu nutzen, unterschiedliche pädagogische und therapeutische Anwendungen in den Snoezelraum zu verlegen. Es entstanden so weitere Varianten des Snoezelen, so dass heute drei große Strömungen vorherrschen: Snoezelen als Freizeit- und Erlebnismöglichkeit, Snoezelen mit zielgerichteten pädagogischen Absichten und Snoezelen als therapeutisches Milieu.

 

last update: 2017-mar-20